Melanie Siegel – Christina Kirchinger

YONDER – Christina Kirchinger und Melanie Siegel

Christina Kirchinger (Radierung) und Melanie Siegel (Malerei) entwerfen imaginäre Bildräume, die zugleich deskriptiv und abstrakt, kultiviert und autonom auftreten. Sie bewegen sich zwischen dem Freilegen des ästhetischen Potenzials unscheinbarer Orte und der bildhaften Erkundung von Räumlichkeit.

Christina Kirchinger interessiert der vom Menschen gebaute Raum besonders in seiner Struktur, in der Eigenart seiner räumlichen Erstreckung in die Tiefe, sein flaches Daliegen bei vermeintlichen Hinweisen auf seine schier endlosen Weiten, seine Raumhaltigkeit genauso wie seine Enge, sein hauchdünnes Erscheinen, sein abruptes sich Verschließen in der Fläche. Radiertechniken, wie die Aquatinta mit ihrer homogen-flachen und zugleich atmosphärisch-räumlichen Anmutung, erlauben es der Künstlerin, die Differenz von bildgewordener Realität und vermeintlich Wirklichem zu steigern und eine Fremdartigkeit hervorzurufen.

Christina Kirchinger *1987 in Straubing, studierte Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung an der Universität Regensburg, wo sie 2015 mit dem Master of Arts abschloss. Anschließend war sie dort bis 2020 Assistentin von Prof. Dr. Birgit Eiglsperger, bei der sie derzeit im Bereich Werkanalyse/Kunsttheorie promoviert.

In den Arbeiten von Melanie Siegel geht es um den Landschaftsraum als eine vom Menschen konstruierte Lebenswelt. Dabei interessieren die Malerin insbesondere der Gegensatz von Ursprünglichkeit und Künstlichkeit, von Idyll und Nutzungsraum, von Organischem und Konstruiertem. Die Motive zeigen menschenleere Szenerien mit zentrierten Kompositionen, geometrischen Anordnungen und Symmetrien. Das Alltägliche einer Parkbank oder die Eintönigkeit eines Tennisplatzes erfahren in den Motiven Bildwürdigkeit. Die Bildwelten sind still und subtil befremdlich, auf Erzählerisches wird in den bühnenartigen Inszenierungen verzichtet. Die einzelnen Bildelemente sind jeweils der Wirklichkeit entlehnt, das Bild in seiner Gesamtheit ist jedoch ein Konstrukt. Mögen die Bilder zunächst äußerst realitätsnah erscheinen, so geht es doch um die Infragestellung von Realitäten.

Melanie Siegel *1978 in Freiburg im Breisgau, studierte 2008 – 2014 Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München und war 2013 Meisterschülerin von Prof. Karin Kneffel. 

Anm. „yonder” engl. für „jener/jene/jenes … dort (drüben)“ bzw. „dort drüben“