La Garaasch IV – Johannes Gottwald

Johannes Gottwald

„La Garaasch“- Projekt des KV Ebersberg vom 15.07.22 bis 15.08.22

VomLagerLeben

Neoromantische Betrachtungen in barbarischen Zeiten

 

Barfüßig bei Sonnenuntergang am Strand spazieren, ein Lagerfeuer im sommerlichen Zeltlager, wem wird bei solchen Erinnerungen oder Werbeaufnahmen nicht warm ums Herz. In einer Garage wie in der Ebersberger Altstadtpassage ist so eine romantische Stimmung aber schwer vorstellbar. Denkt man aber an das Entrümpeln einer solchen vollen Garage mit ihrem „Gruusch“ und Krempel, vielleicht noch von den Großeltern, dann tauchen oft schöne Anekdoten auf und auch mal ein seltenes Stück. Gleich mehrere Fernsehsendungen kann man zu dieser Faszination „gelagerte Dinge“ finden.

In der Gegenwart sind solche Schatzkammern und volle Dachböden mit ihren Geschichten, Vorräten und Antiquitäten vom Aussterben bedroht. Sie bedeuteten einmal  Beständigkeit und Sicherheit, heute bedeuten sie erhöhte Brandgefahr. Auch viele Unternehmen und Geschäfte geben die Vorratslagerhaltung auf, weil sie als totes Kapital zu teuer geworden ist. Die eigene Erfahrung bestätigt das, wenn durch das „Aufheben“ die Werkstatt immer voller wird, aber das Gebrauchte fehlt.

Was ist da noch von alten Leitsätzen zu halten? „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.“ Wenn die einen nicht sparen und doch immer reicher werden, und die  anderen überall sparen müssen, damit es reicht. Zu welchem (politischen) Lager rechne ich mich dazu?

Immer deutlicher sehen wir heute auch woher der Wohlstand und die großen Anlage(r)vermögen kommen, wenn plötzlich die Lieferketten abreißen und die Rohstofflager leer sind.

Ein schöner und guter Traum, wenn der Maler einmal vom Bilderlager leben will. Und was für ein Schrecken, wenn den Menschen in Krieg und Klimawandel nur noch notdürftiges Lagerleben bleibt oder Lagerhaft droht !? Oft stehen wir mehr oder weniger hilflos zwischen den Lagern – eines Kulturkampfes (Menschenrechte) oder eines Naturkampfes (Coronavirus)?

Zu Beginn des La Garaasch-Projekts wird Johannes Gottwald so etwas wie eine Fahne hissen auf der er dieses „Dazwischenstehen“ thematisiert hat.