Besprechung zu Frauen, Technik, Landschaft

Nejat Baydar, Hansjoerg Dobliar, Leonhard Hurzlmeier

Frauen, Technik, Landschaft

Kunstverein Ebersberg
24.11. – 17. 12. 2017

Mit dem Wort Avantgarde wird immer noch unendlicher Fortschritt verbunden oder unendliches Experimentieren. Unter Technik verstehen wir dagegen vor allem ein Mittel, das zu Ergebnissen führt, die greifbar sind, daher auch endlich. Ein solches Ergebnis besteht darin, dass Malerei lesbar ist, sogar dann, wenn sie abstrakt ist. Es führt zu nichts, in einem Druck, den Nejat Baydar zum Teil übermalt hat, beim besten Willen keine Frau erkennen zu wollen. Hansjoerg Dobliar hat seine Bilder immer auch in Szene gesetzt, er hat so Bilder von diesen Bildern geschaffen. Und der schwarze Kreis mit grauem Zentrum und einem Loch in der Mitte, den ein Mädchen auf einem Bild von Leonhard Hurzlmeier aus einem weißen Quadrat zieht, prägt sich dem Gedächtnis vielleicht noch deutlicher ein als eine wirkliche Schallplatte.

Dennoch wäre es falsch, die drei Positionen im traditionellen Sinn gegenständlich zu nennen. Es reicht nicht, bei Hurzlmeier die Frauen zu sehen, bei Baydar eine Technik der optischen Verfremdung und bei Dobliar eine Sonne und Bäume. Auch jene Frauen sind konstruktiv vor einen blauen Himmel gesetzt. Baydars Bilder wirken wie wellige Landschaften, über Bilder von Frauen gebreitet. Und ist es Romantik, wenn Dobliar auf Kartons malt, in denen Computer verpackt waren?

Frauen, Technik und Landschaft scheinen für einen Zusammenhang zu stehen, der verschieden, gegenständlich zutage tritt. Daher ist dreimal genannt, was nicht verfügbar ist. Ein Zug der Sehnsucht hat Hurzlmeiers Figuren derart präzise gezeichnet. Baydar fängt den Voyeur ein in einem Netz aus Linien, das seinen direkten Blick in Schwingung versetzt. Und Dobliar hat auf die Verpackungen gemalt, was sicher nicht drin war, eine Pyramide, Gestirne, ein Grab und das, was uns überdauert.

Den Frauen verdanken wir uns, die Landschaft trägt uns. Wie zeigt die Technik dazwischen doch etwas anderes, neues? Man könnte bei Dobliar Expressionismus, bei Hurzlmeier Neue Sachlichkeit und bei Baydar Op Art finden. Daran ist so viel richtig, dass es eine malerische Entfesselung gibt, eine malerische Begrenzung und drittens die Möglichkeit, die Grenzen in einen Fluss zu bringen, der nicht Umriss, sondern Wirkung erzeugt.

Ausdruck, Konstruktion und Wirkung aber bilden in der Ausstellung Frauen, Technik, Landschaft einen Zusammenhang, der nicht nur der Kunstgeschichte, sondern uns allen gehört. Zur Avantgarde gehören nicht nur die, die vorangehen, sondern auch die, die scheinbar nur folgen. Hannah Arendt hat bemerkt, dass eine Revolution steht oder fällt mit der Normalität, die sie hervorbringt. Die Bilder von Nejat Baydar, Hansjoerg Dobliar und Leonhard Hurzlmeier sind provokativ, weil sie verständlich sind.

Berthold Reiß