Aktionsraum 2

25.9. – 4.10.

Aktionsraum 2

Ein Experimentierfeld

Plakat und Programm zum Download

Es geht nicht um Kunst, und doch geht es um Kunst. Wir sind in einer Zeit, in der sich ein enormer gesellschaftlicher Wandel vollzieht, beschleunigt, forciert durch die Corona-Pandemie. Menschen gehen auf die Straße, um sich gegen manche Entwicklungen zu wehren. Manche haben Angst vor der Zunahme der rechten Kräfte, andere fürchten chinesische Verhältnisse mit zunehmender Überwachung und Kontrolle. Elon Musk stellte kürzlich den Prototypen eines Chips vor, der in Gehirne implantiert werden kann, um den Kopf mit dem Computer verbinden, Informationen zwischen Neuronen und einem Smartphone austauschen zu können. An Schweinen laufen dazu bereits Versuche dazu.
Ob Digitalisierung, eine sich verändernde Arbeitswelt, ein rasant wachsender Kapitalismus oder zunehmende soziale Problemstellungen, die wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen der Pandemie müssen verhandelt werden und vieles mehr. Es geht um nichts weniger als um die Frage, wie wir zukünftig leben wollen.
Der Konzeptkünstler Peter Kees ruft deshalb – in Erinnerung an den legendären Münchner Aktionsraum 1 im Jahre 1969 – beim Ebersberger Kunstverein den Aktionsraum 2 aus, in dem die gegenwärtigen Themen künstlerisch oder auch nicht künstlerisch verhandelt werden können.
Ein Open Call wurde dafür ausgeschrieben, zu dem jeder und jede eingeladen wurde, sich – in welcher Form auch immer – zu den gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen zu verhalten. Für Aktion, Diskurs, Kunst, Vortrag, Diskussion, Performance, Film, etc. wird Raum geboten. Jede Form ist dabei zugelassen. Gemeldet haben sich einige. Ziel war es, zuzulassen und nicht auszuwählen, die Beiträge lediglich zu ordnen und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Herausgekommen ist ein spannendes Programm aus Vorträgen, künstlerischen Arbeiten, Performances, Filmbeiträgen, Diskussionsrunden und Interaktionen – Input, Auseinandersetzung, Inspiration, Dialog, Gestaltung, Fragezeichen und Ausrufezeichen.
Das Publikum ist eingeladen, zu lauschen, zu sehen, zu hören, zu erfahren und sich zu beteiligen.

Aktionsraum 1

1969 riefen Eva Madelung (Mäzenin), Peter Nemetschek (Künstler/Fotograf) und Alfred Gulden (Schriftsteller/Filmer) als avantgardistisches Kollektiv in München den legendären Aktionsraum 1 ins Leben, ein Raum für junge Künstler, in dem herkömmliche kunstbetriebliche Werk- und Präsentationsformen vermieden werden sollten, um den neuen performativen, institutions- und gesellschaftskritischen Bestrebungen in der Kunst einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt zu ermöglichen. Der Aktionsraum fungierte auch als Experimentierfeld, in dem das Publikum mit einbezogen, und der Vermittlung von Kunst in Form von Vorträgen und Diskussionen Rechnung getragen wurde.

 

Konzept, Begleitung, Moderation und Klavierimprovisation: Peter Kees

Öffnungszeiten: DO + FR 17-20 Uhr / SA + SO 14-20 Uhr
Covid-19: Es gelten die vorgeschriebenen Abstands- und Hygienevorschriften, der Einlass wird nur mit eigener Mund-/Nasenmaske gewährt.

 

Programm Aktionsraum 2

FR, 25.9.20

19 Uhr Eröffnung
Spezial Guest: Peter Nemetschek vom Aktionsraum 1 berichtet über den legendären Münchner Aktionsraum 1

19.15 Uhr Performance: Veronika Christine Dräxler (Fürstenfeldbruck/Berlin) – Branches/Geäst
Ich parke mein Auto am Anfang der Ebersberger Straße und laufe dann durch den Forst zum Kunstverein. Auf dem Weg sammle ich Äste auf die mich ansprechen und lege sie an einem mir zugewiesenen Ort im Kunstverein ab. Unscheinbare Äste werden durch meine Auswahl, also durch mein geschultes künstlerisches Auge, sowie durch die Zeit und die Anstrengung des „Mit-Mir-Tragen“, mit Wert aufgeladen. Es geht mir darum die Entstehung von Wertigkeit zu hinterfragen und dabei die Entschleunigung und den Mensch ins Zentrum zu setzen.

20 Uhr Videonacht mit Filmen/Videos u.a. von Enya Burger, Johannes C. Gerard, Caspar de Gelmini, Rupert Jörg

 

SA, 26.9.20

ab 12 Uhr Stefanie Manhillen (Rheinland/Berlin) – DAS LEBEN IST EIN SALAT. INSTALLATION ZUM SELBSTINSTALLIEREN
Die Mixed-Media-Installation kann unentwegt neu installiert, umgestellt und angezogen werden. Sie thematisiert unser tägliches Rollenspiel, die damit einhergehende Fragmentierung und die Ambivalenz der Freiheit in einer sich beschleunigenden Welt.
Stefanie Manhillen ist Mixed-Media-Künstlerin (Rheinland/Berlin) mit ständigen Ausstellungen und Aktionen, am liebsten gemeinsam mit anderen Künstler*innen verschiedener Kunstformen und mit Nicht-Künstler*innen. Ihr Thema ist die Ambivalenz, der Reiz des Paradoxen, www.stefanie-manhillen.de

14 – 16 Uhr Aktion: Stefanie Manhillen (Rheinland/Berlin) – DAS LEBEN IST EIN SALAT

16 Uhr Vortrag: Max Haarich (München) – Das Institut für Angewandte Paradoxie
H.E. Max Haarich ist Botschafter der litauischen Künstlerrepublik Užupis. Die Republik ist ein internationales Erfolgsbeispiel, für den Einsatz von Humor und Paradoxie zur Beantwortung gesellschaftlicher Herausforderungen. In seinem Vortrag stellt H.E. Max Haarich das gerade gegründete Institut für Angewandte Paradoxie der Užupis University vor: das neuste Experimentierfeld für Gedankenspiele und Sehübungen, in dem die Prinzipien von Užupis gelernt und gelehrt werden sollen.
H.E. Max Haarich ist freischaffender Experte und Redner für die Verbindung von Kunst und Technologie mit Fokus auf Ethik in der Künstlichen Intelligenz. Er ist Botschafter der Künstlerrepublik Užupis, Alumni der University of the Underground und Direktor des Instituts für Angewandte Paradoxie.

16.40 Uhr Vortrag: David Lipgens (Aachen) – Trump und Hildmann knutschen auf Friedensdemo für’s Klima & weitere utopisch friedliche Community-Momente, die wir 2020 noch im virtuellen Raum erleben werden
Fake News Everywhere, Friendly People Everywherer. Ein Aufruf zum kollektiven Freundlichsein.
David Lipgens ist Botschafter der Republik Užupis zu Aachen & in freundlichen (virtuellen) Communities.

17.20 Uhr Vortrag: Ruslan Goryanyy (München) – Schöpfungskraft der Gemeinschaft
Es geht um Ideen und Errungenschaften die durch die Gemeinschaft entstanden sind.

18 – 19 Uhr Aktion: Stefanie Manhillen (Rheinland/Berlin) – DAS LEBEN IST EIN SALAT

19 Uhr Vortrag: Maurice ib Jorn (Berlin) – Jugend und Innovation?
Als unsere EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beschloss, für Europa die Bereiche Bildung, Kultur, Forschung, Innovation, Wissenschaft, Jugend und Sport in einem Ressort mit dem Titel `Jugend und Innovation` zusammenzufassen, schrieb sie an ihre designierte Kommissarin für dieses Resort, Marija Gabriel, dass die Kultur in Zukunft, gemeinsam mit dem Sport, für das physische und mentale Wohlbefinden sorgen und Arbeitsplätze schaffen solle. Man scheint übereingekommen zu sein, dass die Zukunft im Nachwuchs und der Digitalisierung zu finden ist.. `Au contraire, madame!` möchte man schreien… und: `Mehr Fantasie, Diplomatie!` Der Versuch einer alternativen (echt guten) Idee.

20 Uhr Diskussionsrunde mit beteiligten Akteuren. U.a. mit Hans Hs Winkler, Max Haarich, Maurice Jorn, Moderation: Peter Kees

 

SO, 27.9.20

11 – 16 Uhr Installation: Hans Hs Winkler (Berlin/New York) – Stiller Biergarten
Der „Stille Biergarten“ bietet interessierten Besuchern einen Ort der Ruhe und Kontemplation. An diesem Ort, in der Biergarten-Installation, wird nicht gesprochen. Die Idee verweist auf die kulturelle Notwendigkeit von Rückzugsorten und auf Friedrich Nietzsche‘s Gedanken über „stille Stätten zum Nachdenken“.
Hans Hs Winkler, geboren in Rott am Inn, lebt und arbeitet in Berlin. Seit 1984 Ausstellungen, Aktionen und Projekte, Wie z.B. „Der öffentliche Eiskeller und Biergarten“, Eiskeller und Himmelslöcher (Ausstellungsprojekt und Publikation), Kiel 2016, www.hswinkler.de

16 – 22 Uhr Performance: Institut für Angewandte Paradoxie (H.E. Max Haarich, H.E. David Lipgens, Ruslan Goryanyy) – “If Henry Ford Had Asked The People What They Wanted…”
Die partizipative Performance “What If Henry Ford Had Asked The People What They Wanted..” stellt eines der zentralen technokratischen Narrative in Frage – die Vormacht des Experten, der besser weiß, was gut für die Menschen ist: Ford baute Autos, obwohl die Menschen eigentlich nur schnellere Pferde wollten. Das Institut für Angewandte Paradoxie fragt, wie eine Welt aussähe, in der Ford auf die Menschen gehört hätte. Diese Welt wird gemeinsam aus Pappe erschaffen.
Das Institut für Angewandte Paradoxie ist ein künstlerisches Forschungsinstitut der Užupis University. Das Institut entwickelt Gedankenspiele und Sehübungen um das Undenkbare zu erkunden.

 

DO, 1.10.20

19 Uhr OFFENER ABEND
Spontane Beiträge aller Arten sind möglich, von Vortrag über Aktion, Diskussion, Kunst, Performance, Film, oder was auch immer. Eingeladen ist jeder und jede, sich einzubringen. Haben Sie Mut!

mit Susanne Hanus (Penzberg) – Luftanhalten

Die Ausstellungsbesucher sind eingeladen die Luft anzuhalten und sich währenddessen zeichnen zu lassen. Ein Ausnahmezustand wird visualisiert, der allerdings anhält.
Susanne Hanus interessiert sich für den Einzelnen in der Gesellschaft und den alltäglichen Wahnsinn. Sie arbeitet mit Zeichnung, Holzschnitt und Installationen.

 

FR, 2.10.20

18 Uhr Performance: Johannes C. Gerard (Den Haag/Berlin) – Isolation (unterstützt von Stroom, Den Haag)
Distanzierung, Isolation, Körper. Im Kontext unserer Umwelten, die wir erschaffen oder in denen wir leben.

18.30 Uhr Performance: Johannes C. Gerard (Den Haag/Berlin) – Ablosen (unterstützt von Stroom, Den Haag)
Ein Paar, eine Zwiebel. Eine Metapher über Beziehungen, Kommunikation und den inneren Streit.. . mit Tanja Wilking & Johannes C. Gerard
Tanja Wilking (Rodinmuse) (München): 1993 Beginn der Tätigkeit als Aktmodell. Seit 14 Jahren hauptberuflich Aktmodell. Schreibt Artikel über das Aktdasein und entwickelte 2020 digitale Aktzeichenkurse für digitale Kanäle
Johannes C. Gerard (Den Haag, NL) arbeitet interdisziplinär, interkulturell und oft in Kollaboration mit anderen Künstler/innen. Die Themastellungen beziehen sich auf Identität,Mensch-Umwelt, Einsamkeit, Zeit, Grenzüberschreitungen Verlust , Sexualität, und Tod. www.johannesgerard.com

19.30 Uhr Vortrag: Reinhard Knodt (Nürnberg/Berlin) – Der Künstler als Prophet
Kunstphilosophische Anmerkungen zu einer grossen Tradion von Jeremia zu Ukeles und natürlich auch zum Propheten Arkadiens, das hinter und vor uns liegt wie bekanntlich auch das Paradies.
Reinhard Knodt ist mehrfacher Kulturpreisträger unter anderem der Bayerischen Akademie. Er betreibt in Nürnberg das Projekt Gärten statt Tribünen, das verhindern soll, dass die alten Hitlertribünen renoviert werden. stattdessen soll eine multikulturelle Anlage von „Gärten der Welt“ rund um das alte Nazigelände entstehen, dessen Ruinen weiter sichtbar verfallen.

 

SA, 3.10.20

15.30 Uhr Performance: Künstlerkollektiv DramaLamaDingDong – Experimentierfeld: Isolation

Durch die aktuelle Covid-19 bedingte Situation ist uns eine Problematik besonders wichtig, die von den Medien oft gestreift, aber nie richtig thematisiert wird. Die Isolation. Das sich Alleine fühlen, die Abkapselung, das Getrenntsein von der Gesellschaft, von den Mitmenschen und am meisten von einem selbst. Das Individuum sondert sich hier auch auf Grund von äußern Umständen ab. Das soziale Gefüge bricht zusammen und was bleibt zum Schluss? Welche Konsequenzen zieht das einsam fühlen mit sich? Diesen Fragen wollen wir, das Künstlerkollektiv DramaLamaDingDong nachgehen. Wir als gemeinnütziger Verein wollen Isolation eine Stimme geben bzw. das Gefühl von innen nach außen tragen. Daher werden wir bei der zwanzigminütigen Performance zwei Schauspieler*Innen als Leinwand nutzen. Die Gefühlszustände zeichnen sich auf der Haut ab. Zur Musik malt der Künstler das Verhältnis zu den Darsteller*Innen auf die Darsteller*Innen und zeigt damit Ihren Platz, ihre Absonderung und auch die Macht die hinter der Isolation steckt. Es ist ein Kampf. Die Frage die am Ende bleibt: Wer gewinnt in einer Gesellschaft voller sozialer Missstände? Wie kann das Publikum eingreifen und die Isolation verhindern oder aber ist dies ein Prozess der nicht aufhaltbar ist?
Gespielt von Samuel Merold und Angelika Koch / Künstler Thomas Hanuszek /Inszeniert von Leonie Hassfeld

16 Uhr Performance: Johannes C. Gerard (Den Haag/Berlin) – Ablosen (unterstützt von Stroom, Den Haag)

16.30 Uhr Performance: Johannes C. (Den Haag/Berlin) – Isolation (unterstützt von Stroom, Den Haag)

17 Uhr Performance: Ruth Effer (München) – No fear
Reaktion auf den angstbesetzten hamsternden Umgang mit Klopapier zu Beginn der Coronazeit: Klopapierrollen werden in Farbe getränkt und anschließend in einen Druck geformt.
Ruth Effer, bildende Künstlerin, arbeitet seit Jahrzehnten mit Papier in verschiedenen Techniken, u.a. mit bewegten Drucken. www.kunst-coaching-muenchen.de

19 Uhr Hip Hop Kultur & Demokratie – live on stage WASEEM + special guest / Vortag und live Konzert
Im ersten Teil des Abends gibt uns der Rapper, Aktivist und Poetry Slammer „Waseem“ im Rahmen eines Vortrags einen Einblick in die Hip Hop Kultur. Der Fokus liegt dabei auf dem Ursprung und der politischen Ebene der sozialen Jugendbewegung, in der meist gesellschaftlich benachteiligte Menschen das Wort ergreifen, ihre Stimme erheben und sich lauthals Gehör verschaffen. Im Anschluss gibt uns Waseem eine live Kostprobe aus seinem musikalischen Repertoire. Intelligente und kritische Texte mit Herz treffen auf fette Beats.
Achim Seger, auch bekannt unter dem Künstlernamen „Waseem“ engagiert sich in diversen sozialen Projekten, in denen er Musik und progressive Politik geschickt miteinander verbindet. Als Projekteiter bei „Turning Tables“ konnte er Menschen mit Fluchthintergrund in Arbeitsverhältnisse vermitteln. Daraufhin hat er die Initiative „Work is a human right“ ins Leben gerufen, welche sich für bedingungslose Arbeitserlaubnisse für geflüchtete Menschen einsetzt. Heute engagiert er sich in München als Vorstand in der Urbanen. Eine HipHop Partei.
Aber auch als eigenständiger Künstler, Rapper, Poet, DJ und Veranstalter wirkt Waseem auf unsere Gesellschaft ein, immer mit dem Fokus den Menschen die Möglichkeit zu geben sich zu äußern, sich bemerkbar zu machen und Rechte einzufordern.

Die Veranstaltung wird live ins Internet übertragen. Der benötigte Link wird kurz vor der Veranstaltung auf der Homepage des KJR bekannt gegeben.

(In Kooperation mit dem KJR-Ebersberg, BUNT STATT BRAUN – Bündnis gegen Rechtsradikalismus im Landkreis Ebersberg und der Partnerschaft für Demokratie – im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tage der Demokratie 2020)

 

So, 4.10.20

14.30 Uhr Tanztheater: Flüchtig oder gravierend? Der Tanz um den Maßstab / Ensemble Urte Gudian (München)
Das Ringen um Distanz und Nähe wird zur tänzerischen Herausforderung, unlesbare Gesichter suchen über Zeichen und Gesten nach neuen Ausdrucksformen. Bewegte und fremdartige Bilder, die die die aktuelle Situation spiegeln und denen die Körper erzählen, was in uns vielleicht nur flüchtige, vielleicht auch gravierende Spuren hinterlässt.
Das Ensemble von Urte Gudian war mitten in der Probenarbeit zu einem neuen Tanztheater-Stück, das sich mit Zeichen, Spuren, Schriften und der babylonischen Sprachverwirrung beschäftigte. Nach dem erstmaligen Stillstand 2020 und die herausfordernden Fragen in der Luft, setzten neue Bewegungsmuster in ihrer ganz eigenen Dringlichkeit ein und entwickelten sich zu teils absurden Szenen.
Urte Gudian ist eine 1963 in München geborene Choreografin, Tänzerin und Sängerin. Sie ist auf die Verbindung von asiatischen Bewegungskünsten mit europäischem Tanztheater spezialisiert. Urte Gudian besitzt ein eigenes Tanzstudio in München.

Ensemble: Petra Arres, Urte Gudian, Karin Holz auf der Heide, Yuki Lakshminarayani, Pascale Ruppel, Branka Schroeder, Nina Seibt  / Leitung, Choreografie: Urte Gudian

15 Uhr Performance: Janna Jirkova (München) – Circling the streets
Während Ihres fünfmonatigen Aufenthaltes in L.A hat Janna Jirkova das Verhältnis zwischen der Stadtlandschaft und deren Bewohnern erforscht und diese Beobachtungen in Texten, Videoaufnahmen und performativen Interaktionen festgehalten. Aus den daraus resultierenden Texten, Beobachtungen und Objekten ist die Performance „Circling the streets“ entstanden, welche einen subjektiven Blick und Gedanken zu der Wirkung einer sich ständig wandelnden Stadlandschaft wiedergibt.
Janna Jirkova arbeitet mit den Medien Video, Performance und Installation, wobei es darum geht das Verhältnis zwischen dem Erscheinungsbild unserer Aussenwelt und deren Wirkung auf uns und unser Empfinden zu zeigen.

16 – 20 Uhr Malperformance mit Zdenek Kotala (München) – Life is a bitch
Der Münchner Musiker und Maler Zdenek Kotala wird in einer Liveperformance 2 Leinwände parallel bemalen. Kotala malt spontan und mit Hintergrundmusik aus dem Bauch heraus, experimentiert mit Acrylfarben, mit Filzstiften, arbeitet Collagen ein – spannend dabei zuzuschauen, was entsteht!

20 Uhr Filmnacht: Kollektiv Jetzt (München, Ingolstatt, Dresden, Heilbronn) – JETZT – eine mehrteilige Scripted-Reality-Farce

Das Kollektiv Jetzt ist ein Zusammenschluss aus mehreren Schauspieler*innen, Theaterschaffenden und anderenn Künstlern, die sich im März aufgrund der damaligen Situation und dem damit verbundenen Proben- und Auftrittsverbot zusammengeschlossen haben, um gemeinsam ein Format zur aktuellen Situation zu entwickeln. Enstanden ist die Online-Serie „JETZT – eine mehrteilige Scripted-Reality-Farce“.
Erzählt wird die Geschichte eines Theaterensembles, das versucht eine Inszenierung online auf die Beine zu stellen mit allen Hindernissen und Hürden, die ein solches Unterfangen mit sich bringt. Dabei schwingt die Corona-Thematik natürlich mit, im Vordergrund stehen aber die Charaktere und deren Geschichten miteinander und untereinander.
Besonders an dem Projekt ist zudem, dass Künstler aus verschiedenen Städten zusammen kommen, die sich für die Umsetzung der ersten Staffel kein einziges Mal persönlich getroffen haben.

 

Ständig:

Während des gesamten Aktionsraum 2 sind zu den Öffnungszeiten Arbeiten und Aktionen zu sehen von:

Ann Besier (Eltville) – DANTE
Angelehnt an Dante Alighieri‘s Inferno aus der Göttlichen Komödie, das mit dem Paradieso schließt, zeigen die Arbeiten Ausschnitte aus dem aktuellen Weltgeschehen, wie Corona Pandemie, Waldbrände in Australien sowie Südamerika und damit verbundene Rodungen.
Ann Besier, 1962 in Wiesbaden geboren, 30 Jahre in Berlin gelebt und gearbeitet, Ende 2019 Umzug nach Eltville I Hessen. Kulturelle Prägung durch die Punk Szene. Seit 2005 als bildende Künstlerin aktiv. Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Kunstmessen im In- und Ausland. Mitglied im BBK Frankfurt a. M. – www.annbesier.de

Ulrike Anna Bleier/ Christine Zureich – Vier Wände – Wortspende (Lettermovie)
Zwei Autorinnen, die einander nie begegnet sind, teilen sich in privaten Tagebucheinträgen einander mit. Die Umstände ihres Kennenlernens waren unerfreulich. Die kollaborative Arbeit „Vier Wände – Wortspende“ ist das Resultat einer gemeinsamen Überlegung, wie wir – gerade in Krisensituationen – solidarisch bleiben können.
Text, Konzept und Umsetzung: Christine Zureich, Ulrike Anna Bleier
Christine Zureich in Suffern, New York, geboren, lebt heute als freie Autorin in Konstanz am Bodensee. Romandebüt 2018 bei Ullstein fünf, Berlin („Garten, Baby!“). Ihr Jugendbuchmanuskript „Ellens Song“ wurde für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2019 nominiert und 2020 mit dem 3. Platz beim Hans-im- Glück-Preis der Stadt Limburg ausgezeichnet. www.christinezureich.de
Ulrike Anna Bleier in Regensburg geboren, lebt in Köln und in der Oberpfalz. Ihr Debütroman „Schwimmerbecken“ stand 2017 auf der Hotlist der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen. Für ihr Romanprojekt „Spukhafte Fernwirkung“ erhielt sie 2019 das Dieter-Wellershoff-Stipendium der Stadt Köln, 2021 ist sie als Writer-in-Residence zu Gast in Quebec, Kanada.  www.bleier-online.de

Enya Burger (Düsseldorf ) – Bewerber 377592 & Gatekeeper (Videos)
Die filmische Arbeit „Bewerber 377592“ interpretiert den zukünftigen Umgang mit Technologie und Digitalisierung. Sie liefert keine eindeutigen Antworten, sondern ist eine Collage aus ungeklärten Fragestellungen. Weniger eine Diskussion von Partnern auf Augenhöhe, eher ein Gespräch zwischen künstlicher Intelligenz (KI) und Mensch mit eindeutiger Machtverteilung.
Gatekeeper („Torwächter“) selektieren, bearbeiten und verändern Informationen. Sie sind Akteuere innerhalb eines Prozesses, der beeinflusst und beeinflusst wird.
Enya Burger studiert seit 2017 an der Kunstakademie in Düsseldorf. In ihren Arbeiten versucht sie eine Vorstellung von Zukunft zu entwickeln. Sie beschäftigt sich mit Digitalisierung und den damit einhergehenden Veränderungen, sowohl auf technischer, als auch auf sozialer Ebene.

Robert Gockner (Ebersberg) – Skulptur
Der Boandl mid seim Recha … er überlegt, auch durch seine Handbewegung dargestellt, wen er als nächstes mitnimmt.

Johannes Gottwald – Ich höre (Holzrestewerk, vernäht, verdrahtet, verkabelt)
Mit den schnellen neuen Medien entgleiten uns allmählich die Rollen als Sender und Empfänger, statt verantwortungsbewusster Kommunikation teilen wir ungewollt mehr und mehr auch einen entmündigenden Datensumpf.
Johannes Gottwald fasziniert u.a. Holz und die Ausdrucksweise von Bewegung und Veränderung, die der Komplexität unseres Lebens zugrunde liegen.

Caspar de Gelmini (Berlin) – Objects and Cells 1 (Video)
In Objects and Cells 1 habe ich mich mit wissenschaftlichen Aufnahmen von Menschen- und Tierzellen auseinandergesetzt, sowie Bilder von den kleinsten Lebewesen, die im arktischen Eis leben. Ich bekam Unterstützung von der Humboldt Universität und der Charité Berlin. Das Video zeigt auch kranke Zellen, welches dem ganzen im Zusammenhang mit der Corona Epidemie eine zusätzliche Brisanz verschaffte. Im übrigen stammen die Aufnahmen von der Charité, wo Corona erforscht wurde.
Caspar de Gelmini ist Videokünstler und Komponist. Studien in Musik (Komposition) und Freier Kunst (Video) in Berlin, Rostock, Weimar, Stockholm, Basel, Salzburg, Stuttgart, Paris und Braunschweig bei Michael Obst, Tristan Murail (Musik) und Michael Brynntrup (Video). Zahlreiche Konzerte, Ausstellungen, Festivals und Preise. Mehr auf: www.caspardegelmini.de

Johannes C. Gerard (Den Haag/Berlin) – Videos
Ist das Leben ein Kreis oder ein gerader Weg vorwärts?
Johannes C.r Gerard (Den Haag, NL) arbeitet interdisziplinär, interkulturell und oft in Kollaboration mit anderen Künstler/innen. Die Themastellungen beziehen sich auf Identität, Beziehungen, Mensch-Umwelt, Einsamkeit, Zeit, Grenzüberschreitungen Verlust , Sexualität, und Tod.

Frenzy Höhne (Leipzig) – BILDER MACHEN LEUTE (Acryl auf Leinwand)
Die im Internet generierten Bildbeschreibungen für nicht ladbare Bilddateien überträgt die Konzeptkünstlerin Frenzy Höhne in das Medium der Malerei. Im Ausstellungsraum verkörpert die Installation dieser Leinwände wiederum die virtuelle facebook-Benutzeroberfläche, von der sie stammen und wird von der Aufforderung an das Publikum begleitet, die Bilder abzufotografieren und sie in die Sozialen Medien zurück zu speisen.
Aus den Dingen des Alltags entwickelt die Künstlerin Frenzy Höhne auf durchaus humorvolle, sensible und sehr treffende Weise, signifikante Abbilder unserer zeitgenössischen Gesellschaft, die sich mit den Werten und Normen unserer Zeit befassen.

Rupert Jörg (München/Marseille) – Video und Zeichnungen
Pepe and the white genocide (Video) – Ein Konglomerat von Nachrichtenstills und dem Gif der Comicfigur Pepe the frog (unfreiwilliges Maskottchen der neurechten Szene), das von Audioaufnahmen zweier rechtsterroristischer Anschläge begleitet wird. Beide Attentäter dokumentierten ihre Tat mit einem Livestream und propagieren einen weit verbreiteten Verschwörungsmythos. Der Glaube, dass weiße Menschen im Kontext einer jüdischen Weltverschwörung ausgerottet werden sollen.
Conspiracy Series (Zeichnungen): The Reptilian Elite, Buntstift auf Papier, 41 x 30 cm, 2020 – Die Zeichnung behandelt sehr frei den Verschwörungsmythos der Eidechsenmenschen. Der Glaube, dass eine blutrünstige, satanistische politische Kaste (Clintons, Merkel u.a.) sich die Menschheit Untertan machen möchten. Dieser Mythos gehört auch in das Universum von der gerade an Popularität gewinnenden Qanon-Bewegung. / The Vaccine, Buntstift auf Papier, 41 x 60 cm, 2020 – Unterschiedliche Verschwörungsmythen rund um den Impfstoff gegen Covid-19 werden zusammengeführt. Es wird behauptet, dass sich nach der Injektion des Stoffes die Menschheit dem Vatikan Untertan macht.
Rupert Jörg, geboren 1988, lebt und arbeitet in München und Marseille. Videokünstler und Zeichner. Er arbeitet oft an dem schmalen Grad von Fiktion und Wahrheit. Häufig collagiert er Material seines „privaten Archivs“ mit Found Footage aus allen erdenklichen Medien.

Peter Kees/Hans Hs Winkler – Hochkopfmanifest (Plakat)
„Jeder Mensch hat ein Recht auf Schulden, Einsamkeit, Zeit und eine Muse“
Parallel zu einer Plakataktion in der Nähe des Hochkopfes am bayerischen Walchensee wird das Hochkopfmanifest auch vor dem Ebersberger Kunstverein plakatiert.

Kyu Nyun Kim (Seoul, Korea) – Einreise-Absage der Bundespolizei

Denis Lebedev (Kassel) – Miktionsprotokoll 2020
Bedruckte Acryglasplatte 210x210mm, Dokumentation von 12 Tagen Urinieren in Form von Uhrzeiten
23, Student der Kunsthochschule Kassel, Klasse für Mehrdimensionale Strategien

Andreas Mitterer (Ebersberg) – HELDENKÖPFE
Eine skulpturale Versuchsanordnung zur Erschaffung und Inszenierung von Helden (-Köpfen)
geb. 1969, Künstler und Grafiker, lebt und arbeitet.

Manuel Strauß (Grafing) – Kundenbefragung
Was beschäftigt Menschen aus dem 21Jhdt? Welche Rolle nimmt die bildende Kunst heute ein? Was kann die Kunst heutzutage für Uns machen? Was wären Sie bereit dafür zu zahlen? Das ist ein Teil der Fragen die Manuel Strauß in den Raum werfen wird.
Manuel Strauß, 37 Jahre, studierte freie Kunst an der AdBK München, sein jetziger Fokus liegt auf modernen Fertigungswegen und Materialen, wie Kunstfaserverbundstoffen, Microzement, 3d Druck, Kunstharzen und Lacken.

Thomas Neumaier (Ingolstadt) – mobil home office + kleine Sau-Stele (Objekte)
geb.1948 in München, lebt und arbeitet in Ingolstadt und Berlin. Zahlreiche Einzelausstellungen und internationale Ausstellungsbeteiligungen. Objekte als Wahrnehmungsfallen, Stadteingriffe durch Installationen im öffentlichen Raum und kunst-historische Ausstellungen.

Konstantin Weber – Eine Person die mit einem Laptop auf einem Bett liegt (Audio und KI)
Zu hören sind kurze Bildbeschreibungen, die in Manier eines „Stille Post“-Spiels zwischen verschiedenen künstlichen Intelligenzen entstanden sind. Dabei sind die Beschreibungen soweit vom Ursprung abgewichen, dass nun in der Vorstellung des Hörers neue Bilder entstehen.
Konstantin Weber (*1992) ist ein Konzeptkünstler, der durch Fotografie und künstliche Intelligenz die unsichtbaren Prozesse digitaler Technologien untersucht.

Petra Winkelmeier (Ebersberg) – TESTSCHLAF – oder: Kleines Abenteuer vor der Haustüre?
Die Räume des Kunstvereins als außergewöhnlicher Übernachtungsort. Eine Erfahrung, die man sonst eher als Globetrotter auf Reisen macht: den neuen Tag an einem ungewohnten Ort beginnen und zulassen, dass er, abseits jeglicher Routine, weiter einen ungewöhnlichen Verlauf nimmt. Das kleine Abenteuer vor der Haustüre – zukünftig eine klimafreundliche Alternative zur Fernreise? Oder doch nur ein Überbrückungsversuch für die Corona-Zeit, bis sich ferne Regionen wieder erkunden lassen?
geb. 1968 in Wasserburg, beruflich Grafikerin, nebenbei Malerin